Zur Jurysitzung 2014

Manchmal geht es ja ganz schnell. Da schaut sich eine Jury an und alle nicken bei einem Namen. Zaghaft hebt dann einer noch die Hand und sagt, ich möchte Euch doch noch die anderen Kandidaten kurz vorstellen – damit Ihr wisst, um wen es ging. Was gelegentlich auch Sinn macht, steht ein Name doch im nächsten Jahr vielleicht wieder auf der Liste.
 
Diesmal gab es diese, wie Mathematiker sagen würden: eineindeutigen Kandidaten nicht. Dafür eine breite Palette qualifizierter Künstler, die die Jury intensiv debattierte. Am einfachsten war die Entscheidung für die Ehren-RUTH: Nicht nur stand Barbara Boock zum wiederholten Male auf der Vorschlagsliste – sie war auch 2013 in Ruhestand gegangen, was ein guter Anlass erschien, ihr endlich den wohlverdienten Preis anzutragen.
 
Schon schwerer fiel die Wahl zum Hauptpreis. Für Alpenklezmer sprach neben der künstlerischen Qualität auch, dass es derzeit einige Projekte gibt, in denen deutsches und jiddisches Liedgut verbunden wird. Insofern steht Alpenklezmer beispielhaft für eine aktuelle Entwicklung in der deutschen Trad-Szene – und ist sicher das ausgereifteste und vorzeigbarste Beispiel. Und insofern auch das, das eine Auszeichnung verdient hat.
 
Am schwersten fiel der Jury die Entscheidung für die Förder-RUTH. Gleich ein halbes Dutzend sehr guter Kandidaten konkurrierten um die Trophäe; alle originell und vor allem sehr hoffnungsvoll, was die weitere Entwicklung und Karriere angeht. Da brauchte es mehrere Runden mit jeweils einigen Ausschlüssen, bis aus einem Finale mit drei Ensembles das Leipziger Sextett Liloba als Sieger feststand. Für Liloba sprach die originelle Kombination aus afrikanischer Rhythmik und französischem Chanson, aber auch, dass die Gruppe just ihre Debut-CD vorgelegt hat und mithin wirklich am Anfang ihres Weges steht, gleichzeitig aber sehr professionell und erfahren agiert.
 
Blieb die RUTH des TFF-Teams, die wir erneut gerne an jemanden verleihen wollten, der mit deutschen Texten besticht. Im Team war es dann ganz einfach: Rainald Grebe ist jemand, auf den sich alle ohne jede Debatte einigen konnten. Name genannt, allgemeines Kopfnicken – in drei Sekunden war die Sache durch. Und der RUTH-Jahrgang 2014 komplett.