RUTH reloaded

Nicht nur agiert seit der Preisverleihung 2012 eine neue Jury – die Auslober haben diesen Wechsel auch zum Anlass genommen, die Kategorien einer General-Revision unterzogen. Zu starr erschien das alte Korsett, zu groß war auch der Wunsch, wieder einen Preis für Künstler am Anfang ihrer Karriere zu vergeben. Am Ende eines langen Diskussionsprozesses standen drei Kategorien, über die die Jury entscheidet; dazu puzzelt dann das das Festivalteam noch einen Preisträger nach eigenem gusto.
 
Außerdem wurde das Vergabeverfahren verschlankt: Sortierte bislang eine Vorjury die einzelnen Kandidaten der Auslober vor, so entfällt diese nun. Die Auslober üben sich in Disziplin und nominieren nicht mehr als drei Kandidaten pro Kategorie; darüber befindet gleich eine Jury aus Auslobervertretern plus unabhängigem Vorsitzenden.
 
Die Jurysitzung fand am Nikolaustag 2012 in der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar statt. Nicht nur begrüßte Präsident Prof. Christoph Stölzl die Jurymitglieder – er stellte auch gleich noch sein Büro für die Sitzung zur Verfügung. In dem saß dann also erstmals die neue Jury unter Leitung von Prof. Tiago de Oliveira Pinto zusammen. Der ließ die Vertreter der Auslober an der langen Leine und sie überwiegend untereinander diskutieren; er  griff nur gelegentlich strukturierend ein, in dem er Besonderheiten einzelner KandidatInnen betonte und so zu einer Entscheidungsfindung betrug.
 
Am Schluss hatte die reine Männerrunde ein rein weibliches Preisträger-Kleeblatt bestimmt und nebenbei „gleich bei der ersten Sitzung zwei Fehlurteile früherer Creole-Jurys abgeräumt“ (ein Jury-Mitglied) – dass Mariana Sadovska beim Creole-Bundeswettbewerb 2006/7 und das Lao Xao Trio vier Jahre später nicht zu den drei Preisträgern gehörten, gehört (nicht nur) für die Mitglieder dieser RUTH-Jury zu den großen Mysterien der jüngeren deutschen Weltmusikgeschichte.

 

Den Preis für ihr Lebenswerk erhält Eva Sollich, Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreographin. Sollichs Wirken ist schon immer der Nähe des Tanzes zur Musik verpflichtet. 1977 gründete sie ihr Tanzhaus im kleinen südthüringischen Dorf Benshausen, das sie bis 1997 leitete. Ihr ist es zu verdanken, dass die DDR-Folkszene Beine bekam.

 

Neben diesen Hauptpreisen vergibt das Festivalteam in Rudolstadt erstmals die TFF-RUTH. Die Jazzkantine aus Braunschweig mischt seit 20 Jahren mit Rap und Jazz die deutsche Musikszene auf und hat im Laufe der zwei Dekaden mit so unterschiedlichen Künstlern wie Xavier Naidoo oder Götz Alsmann konzertiert, mit Theater und Bigband gearbeitet, Hardrock und Tanzmusik ver-jazzkantint. 2012 nahm sich das Ensemble dann einen bunten Strauß klassischer deutscher Volkslieder vor und vermischte sie mit Einflüssen aus Hip-Hop, Reggae und Soul zum typischen Jazzkantine-Sound.