RUTH im Jahre 2010

2010 ist für das Festival ein besonderes Jahr! Zum 20. Mal TFF in Rudolstadt und schon zum neunten Mal wird die RUTH, der deutsche Weltmusikpreis, dabei sein. 2002 wurde die handgeschnitzte Trophäe zum ersten Mal vergeben, und das Preisträgerkonzert ist mittlerweile aus dem Festivalprogramm nicht mehr wegzudenken. Wie immer hatte sich auch diesmal die RUTH-Jury Ende des Jahres in Frankfurt/ Oder beim transvocale Festival getroffen, um über vier Preisträger zu entscheiden. Dabei gab es eine wesentliche Änderung: Nach drei Jahren wurde die Besetzung der Jury komplett erneuert.

 

So sieht die RUTH – Jury jetzt aus: Achim Bergmann (Trikont Label Chef, RUTH Preisträger), Urna Chahar-Tughi (Mongolische Musikerin, Ruth-Preisträgerin), Torsten Hinger (Veranstalter NATO-Club Leipzig), Jiri Plocek (Folkmusiker und Hörfunkredakteur Brünn/Tschechien) und Petra Rieß (Musikwissenschaftlerin und Journalistin aus Hamburg, Vorsitzende). Entsprechend spannend liefen die Diskussionen, denn da mussten sich erst mal fünf Temperamente zusammen finden, die sich vorher persönlich kaum kannten. Trotz des kalten Wetters ist es den Fünf dann manchmal ganz schön heiß geworden. Jeder war gut vorbereitet, hatte sich viele Gedanken über die potentiellen Sieger gemacht und sich Kriterien zurecht gelegt, wonach letztlich entschieden werden sollte. Da wurde hin und her überlegt, abgewogen, verworfen, doch schließlich standen auch diesmal vier RUTH-Preisträger fest und das Konzert verspricht sehr abwechslungsreich zu werden.

 

Die Deutsche RUTH geht diesmal nämlich ans Meer. Mit Kwart weht eine frische plattdeutsche oder besser gesagt niederdeutsche Brise aus der nordostdeutschen Ecke durch die Folklandschaft. Ganz ohne elektronische Samples und modernes Getöse wird eine alte Meer-Magie neu erzeugt. 
Eine viel längere gemeinsame Geschichte haben die Preisträger der Ehren- RUTH 2010. Sie soll, als Auszeichnung für das musikalische Lebenswerk, die Ostdeutsche Band Bayon haben. Begonnen haben die vier 1971 in Weimar, zu einer Zeit, als es den Begriff Weltmusik als Marke noch nicht gab und in einer Gesellschaft, die verschiedenen Nationalitäten einen Wohnort, aber kein kulturelles Zuhause gab. Der ideenreiche, akustisch geprägte Sound verbindet europäische Klassik und Folklore mit lateinamerikanischen Rhythmen und asiatischer Melodik. 
Die RUTH für die Musikalische Expertise wird diesmal an einen Veranstaltungsort vergeben, nämlich an das Malzhaus Plauen. Entscheidend für diese Auszeichnung sind die Hartnäckigkeit und Kreativität, mit der im Malzhaus Plauen seit Jahrzehnten Musik, Literatur, Malerei und Kleinkunst geboten werden. Die Jury würdigt mit dem Preis alle, die das Malzhaus bislang auch in politisch und finanziell schwierigen Zeiten am Leben erhalten.
Die Globale RUTH 2010 schließlich geht an Rotfront. Das ist wilde Bläsermusik, archaisch gestrickt, zwischen Polka, HipHop und Klezmer, mit deutsch, russisch, englisch oder ungarisch gesungenen Texten. Eine Band, deren internationale Besetzung von Currywurst und Döner lebt, dort, wo sie sich getroffen hat, in Berlin. Rotfront bringt, beispielhaft für viele Bands, ein Stück multikulturellen Alltag auf die Bühne. 
Die Jury gratuliert den RUTH-Gewinnern! Es hat viel Spaß gemacht, die Preisträger zu ermitteln und wir freuen uns mit dem Publikum auf ein Konzert nach dem Motto: Hört ihr noch oder tanzt ihr schon?!

Petra Rieß - Juryvorsitzende